Das Topspiel der Kreisoberliga‑Kleinfeld zwischen SV Grün‑Weiß Tanna II und dem SV Am Ettersberg hielt, was es im Vorfeld versprach – allerdings fast ausschließlich aus Sicht der Gäste. Ettersberg gewann deutlich mit 8:2 und nahm damit eindrucksvoll Revanche für die knappe 0:1‑Hinspielniederlage. Für Tanna II war es nach dem 2:4 gegen Neustadt/Orla die zweite herbe Enttäuschung in kurzer Zeit.
Vorbericht: Ein Duell zweier Offensivmaschinen
Schon vor dem Anpfiff war klar: Dieses Spiel hat das Potenzial für ein Torfestival.
Tanna II stand mit 12 Punkten aus sieben Spielen solide im Mittelfeld, hatte aber zuletzt eine deutliche Niederlage kassiert.
Ettersberg dagegen reiste mit einem 10:0‑Kantersieg im Rücken an und wollte unbedingt die Hinspielpleite wettmachen.
Beide Teams gehören zu den torgefährlichsten der Liga.
Die Frage lautete: Wer setzt das nächste Ausrufezeichen?
Auf dem Papier war Tanna leicht favorisiert – doch Ettersberg hoffte insgeheim auf Zählbares. Und wie.
Der frühe Doppelschlag: Ettersberg schockt Tanna
Vor rund 30 Zuschauern erwischten die Gäste einen Start nach Maß.
Anika Etzrodt traf in der 7. und 8. Minute doppelt und stellte Tanna früh vor massive Probleme.
Der schnelle Rückstand wirkte wie ein Stich ins Selbstvertrauen.
Auch als sich Daniela Göres nach 15 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste, schwächte das die Gäste nicht.
Ettersberg nutzte das eiskalt: Luisa Güntzler erhöhte auf 3:1 (18.).
Doch Tanna zeigte zunächst Moral:
Cathèrine Schubert traf im direkten Gegenzug zum 1:2, und Trainer Stephan Rotthoff brachte früh Julia Weiß, die sofort frischen Wind einbrachte.
In der 30. Minute traf sie zum 2:3, und plötzlich war Tanna wieder im Spiel.
Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause – und trotz der wilden Anfangsphase war wieder alles offen.
Der Bruch nach der Pause: Tanna verliert komplett den Faden
Was dann folgte, war aus Tannaer Sicht kaum zu erklären.
Die Mannschaft kam ohne Energie, ohne Körpersprache und ohne Überzeugung aus der Kabine.
Ettersberg dagegen spielte wie entfesselt:
Virginia Rudolph traf in der 41. und 42. Minute doppelt
Güntzler erhöhte auf 6:2 (44.)
und legte später noch zwei weitere Treffer nach (54./62.)
Innerhalb von 20 Minuten brach Tanna komplett auseinander.
Die Gastgeberinnen fanden keine Mittel mehr, um das Offensivfeuerwerk der Gäste zu stoppen.
Die zweite Halbzeit war ein Spiegelbild fehlender Ordnung, fehlender Laufbereitschaft und fehlender Überzeugung.
Nach dem Spiel: Trainer Rotthoff findet deutliche Worte
Die deutliche Niederlage blieb intern nicht ohne Folgen.
Trainer Stephan Rotthoff wandte sich nach dem Spiel mit einer emotionalen, ehrlichen und ungewöhnlich offenen Botschaft an sein Team.
Er betonte, dass die Mannschaft im Training meist sehr gut arbeite, konzentriert sei und zeige, welches Potenzial in ihr steckt.
Gerade deshalb sei es für ihn unverständlich, wie man sich in der zweiten Halbzeit „einfach ergeben“ konnte.
Er kritisierte vor allem vier Punkte:
fehlende Stimmung
mangelnde Laufbereitschaft
fehlenden Kampfgeist
keinen sichtbaren Willen
Rotthoff machte klar, dass Fehler normal seien – bei ihm selbst wie bei jeder Spielerin.
Aber: Jede müsse bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, den „Schalter umzulegen“ und sich nicht hängen zu lassen.
Er erinnerte daran, dass dies bereits die zweite deutliche Niederlage in kurzer Zeit war – einmal „voll“, einmal „nüchtern“, wie er es formulierte.
Trotz aller Kritik schloss er mit einem klaren Bekenntnis:
Er glaube fest an die Qualität und den Charakter seines Teams und sei sicher, dass man im kommenden Halbfinale „ein ganz anderes Gesicht zeigen“ werde.
Analyse: Tannas Defensive bleibt die Achillesferse
Tanna II bleibt zwar Tabellenzweiter, doch die Zahlen sind alarmierend:
27 Gegentore – über drei pro Spiel
zwei hohe Niederlagen in kurzer Zeit
große Diskrepanz zwischen Trainingsleistung und Wettkampfverhalten
Die Mannschaft zeigt im Training, was in ihr steckt – doch im Spiel fehlt oft die Konsequenz, die Mentalität und die defensive Stabilität.
Ettersberg dagegen stabilisiert sich im Tabellenmittelfeld.
Auch sie haben bereits 20 Gegentore kassiert, doch offensiv sind sie brandgefährlich – und an diesem Tag gnadenlos effizient.

